Schrift:
n m g
 

Wieviel RAM ist sinnvoll

Zu Zeiten von Windows 3.1 war RAM der größte Kostenfaktor im PC. Die meisten Rechner besaßen 2 - 4MB RAM, was auch völlig ausreichte.
Unter Windows 95 und 98 waren 32 -64 MB ausreichend, unter Windows ME liefen Büroanwendungen ab 128 MByte Hauptspeicher mit erträglicher Geschwindigkeit. Bei den DOS-basierten Betriebssystemen drohten vielmehr Probleme, wenn mehr als 512 MByte RAM installiert wurden. Windows NT benötigte in seinen unterschiedlichen Versionen ebenfalls zwischen 32 und 128MB RAM, besonders den Serverversionen kam ein großer Arbeitsspeicher zugute.

Windows 2000 Professional und Windows XP (Home und Professional) und sollte man mindestens 256 MByte Speicher gönnen. Wer viele Programme gleichzeitig offen hält, ist mit 512 MByte besser bedient. Der Ausbau auf 1 GByte lohnt sich für manche 3D-Spiele, bei regelmäßiger Arbeit mit großen Bilddateien oder für Entwickler - echte Speicherfresser sind etwa virtuelle Maschinen wie VMware. Jenseits von 1 GByte stößt man allmählich an Grenzen 32-bittiger Hard- und Software. Einen Ausweg verspricht die 64-Bit-Technik.

2 GB-RAM und 64-Bit

Die allgemeine Stammtisch-Meinung ist klar definiert: je mehr RAM, desto schneller ein System. Punkt.

Doch diese Aussage ist so nicht korrekt. Im Gegenteil: je mehr RAM ein System besitzt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass dem Prozessor Daten zur Weiterarbeit fehlen. RAM ist im Vergleich zum integrierten Level-1- oder Level-2-Cache eines Prozessors quälend langsam. Daher ist es für die Verarbeitungsgeschwindigkeit eines Programms positiv, wenn die benötigten Daten möglichst immer im Puffer/Cache des Prozessors vorgehalten werden. Ideal wäre daher, wenn der Cache genauso groß wäre, wie das RAM. Dann könnten alle Daten gepuffert werden. Da das logischerweise nicht geht, muss der Cache eine Auswahl treffen, was gecached wird und was nicht. Daher gilt: je größer der Arbeitsspeicher, desto häufiger macht die Cacheverwaltung Fehler (den sog. Cache Miss).

Zusätzlich steigen die kapazitativen Lasten auf dem Speicherbus bei mehr Speicher im Systemstark an. Höhere kapazitative Lasten bedeuten mehr Rauschen auf dem Speicherbus und damit ein schwächeres Signal. Um nach wie vor zuverlässig zu arbeiten, muss unter Umständen der Speichertakt reduziert werden oder die Speichertimings auf längere Zeiten eingestellt werden. Besonders Systeme mit AMD K8-Prozessoren (Athlon oder Sempron Sockel 754) sind hier ab Werk besonders anfällig. Häufig muss für eine bessere Stabilität auch die Command Rate gesenkt werden.
Allerdings: ist der Arbeitsspeicher voll, beginnen Betriebssysteme wie Windows oder Linux sich eines so genannten Swapfiles zu bedienen. Ein Swapfile oder zu Deutsch "Auslagerungsdatei" hilft dem Betriebssystem, Speicherengpässe zu überbrücken, indem einfach ein Teil der Daten oder der Programme aus dem Arbeitsspeicher auf die Festplatte ausgelagert wird. RAM arbeitet mit Zugriffszeiten im Nanosekunden-Bereich, eine Festplatte dagegen benötigt etliche Millisekunden bis ein Zugriff erfolgen kann. Eine Festplatte ist also um den Faktor Eine-Million langsamer, als RAM. Oder anders gesprochen: sobald das Betriebssystem anfangen muss, Daten/Programme in das Swapfile auszulagern und wieder zurückzuholen, geht die Geschwindigkeit des Systems dramatisch in die Knie. Und hier macht sich mehr RAM bemerkbar. Je mehr RAM im System stecken, desto mehr Programme/Daten passen in den Arbeitsspeicher ohne dass das System sich der Auslagerungsdatei bedienen muss.

Ein weiterer nicht zu verachtender Vorteil von 'mehr RAM' ist der, dass moderne Betriebssysteme einen Filesystem-Cache verwalten, häufig benötigte Daten oder Programme also nicht jedes Mal von der Festplatte lesen müssen, sondern in einem Puffer vorrätig halten. Besonders auffällig ist der positive Einfluss des Filesystem-Cache beim Start großer Programme, etwa aus Microsoft Office-Suite oder OpenOffice. Beim ersten Start dauert es noch ein paar Sekunden, bis die Eingabeoberfläche zur Verfügung steht. Schließt man das Programm und öffnet es erneut, ist es blitzartig zur Stelle. Dieses Mal musste es nicht mehr von der Festplatte gelesen werden, sondern konnte aus dem Cache geholt werden.

Nach unserer Erfahrung kann man zum heutigen Zeizpunkt sagen: für alltägliche Anwendungen genügen immer noch 512 MB. So belegt MS Word bei geöffneten Dokumenten ohne eingebundenen Bitmaps ca.30 MB, Outlook etwas 50 MB. Bei Outlook kommen noch mal 20 MB für Word hinzu, wenn dieses als Editor für Outlook dient. Der Kern der Textverarbeitung läuft dann als Hintergrundprozess. Webbrowser benötigen ebenfalls etwa 20 MB pro offenes Fenster. Virenscanner, Firewalls und Antispyware, Spamfilter und andere Schutzapplikationen kommen nochmals auf ca. 50-60 MB.

Eine Erweiterung auf 1024 MB ist durchaus sinnvoll, wenn man einfachere Bildbearbeitungsprogramme benutzt und hier Wartezeiten vermeiden möchte. Wer regelmäßig aktuelle Spiele genießen möchte, ist auch mit größerem Speicher besser bedient, nicht wegen größerer Frameraten, sondern wegen kürzerer Ladezeiten und weniger Ruckler, sobald Windows sich des Swapfiles bedient.

Die weitere Verdoppelung auf 2 GB RAM ist nur für Anwendungen, die tatsächlich riesige Datenmengen laden (z.B. Photoshop mit sehr großen Bildern oder Videoschnitt-Programme, die den Cache terrorisieren) wirklich notwendig. Adobe Photoshop z.B. belegt mit einer geöffneten 128MB Datei 480MB Arbeitsspeicher. Auch neuere Spiele wie Battlefield 3 profitieren deutlich von 2GB RAM.

Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Die High-End Ausstattung von heute ist die Standard-Ausstattung von morgen. Angesichts der aktuell sehr niedrigen Speicherpreise macht man mit 2 GB RAM sicherlich nichts falsch, wenn das System über längere Zeit hinweg in Dienst bleiben soll - schon allein mit Hinblick auf Windows Vista, das mit Sicherheit deutlich Speicher hungriger sein wird, als das aktuelle Windows XP.

 

 

Dieser Artikel:

Einleitung weiter zu Technische Grundlagen
Technische Grundlagenweiter zu Technische Grundlagen
Vorläufer der heutigen Speicherarten weiter zu Vorläufer der heutigen Speicherarten
SDRAMweiter zu SDRAM
DDR-SDRAMweiter zu DDR-SDRAM
RDRAMweiter zu RDRAM
RAS, CAS und Timingsweiter zu RAS und CAS
Burst-Modeweiter zu Burst-Mode
DDR2weiter zu DDR2
Zukünftige RAM-Artenweiter zu Zukünftige RAM-Arten
Wieviel RAM ist sinnvoll weiter zu Zukünftige RAM-Arten

zurück zum Hardware-Lexikonzurück zu Hardwareguide

 

 

 

 

 

 

Service-Partner

Zur Zeit stehen Ihnen mit unserem Hardwareguide folgende Rubriken Artikel zur Verfügung:

weiterProzessoren
weiterMainboards
weiterGrafikkarten
weiterRAM
weiterFestplatten & RAID-Systeme
weiterCD-Rom/CD-Brenner
weiterDVD-ROM/DVD-Brenner

Wir bringen Lichts in Dunkel

 

Service-Partner
Qualitätsmerkmale und Bestenlisten der wichtigsten PC-Komponenten:

weiterGrafikkarten
weiterMainboards
weiterProzessorkühler
weiterFestplatten
weiterDVD-Brenner